Herzog Peter v/o Codex
- Schön, dass du da bist. Eigentlich will ich gar nicht, dass man hier hineinschaut. Eine Spielerei, um mit 85 dran zu bleiben.
Ich
Gerechtigkeit
Anstand
Ehrlichkeit
Peter Herzog, Erinnerungen - Eine Art Dank - eine Art Lebenslauf - eine Art Gebet 04.08.2025 aktualisiert
Die Gedanken des norwegischen Dichters Jostein Gaarder („Das Kartengeheimnis“) haben zu diesen einleitenden Überlegungen geführt.
Ich hatte zwei Eltern, vier Grosseltern, acht Urgrosseltern, Sechzehn Ururgrosseltern - und so weiter. Jeder dieser einzelnen Menschen entstand aus Milliarden von Samen. Wenn ich mal bis ins Geburtsjahr Christi zurückgehe, sind dies Aber-Billionen an Ahnen - geborenen und ungeborenen. Und dann waren all’ die vielen Naturkatastrophen, Epidemien wie beispielsweise der Pest, der früheren grossen Kindersterblichkeit, die vielen kriegerischen Ereignisse und Hungersnöte und die sehr kleinen Überlebenschancen der Kinder. Die Chance, dass absolut niemand von meinen Ahnen in seiner Kindheit gestorben ist, stehen eins zu vielen Trillionen. Meine Geburt war also im Verlauf der früheren Zeit viele Trillionen mal gefährdet und nur einen Millimeter vom Existieren entfernt. Und diese Chance hatte ich; ich lebte, und ich bin dankbar dafür.
Und dieser Mensch namens Peter Herzog sagt „Merci“ dafür, dass er existieren durfte.
Er ist dankbar dafür, dass er es zu guten Eltern getroffen hat, die bewusst als solche auftraten und ihm all’ ihre Liebe entgegengebrachten. Es waren sie, die es ihm ermöglicht haben, gute Schulen zu besuchen. Er durfte mit zwei tollen Geschwistern (einem älteren Bruder und einer jüngeren Schwester) eine feine Kind- und Jugendzeit verbringen. Merci vielmal. Grossen Dank dafür, dass er in Bern das städtische Progymnasium, später das Gymnasium besuchen und dort die Matura abschliessen durfte. Noch heute verbinden ihn gute Freundschaften mit seinen Gymer-Kollegen. Auch ein „Merci“, dass er an der Universität Bern ein juristisches Studium ergreifen konnte und dieses später erfolgreich abschloss.
Er ist dankbar für die Fügung, welche ihn nach Wattenwil, einem intakten Dorf im Gürbetal, in ein Notariatsbüro verschlug; zuerst als Student / Praktikant, und dann als frischgebackener Notar, zuerst angestellt und dann selbstständig. Er ist dankbar dafür, dass er während rund 34 Jahren dort ein Notariatsbüro und ein Zweigbüro der Kantonalbank führen durfte, es wohl dabei verstanden hat, den Puls der einheimischen Bevölkerung zu spüren, weshalb ihm die Arbeit nie ausging. Das war vor allem auch der Fall, als er während fünfzehn Jahren neben seinem Hauptberuf nebenamtlich den Beruf des Gemeindeschreibers von Wattenwil ausübte, was bei den zahlreichen Sekretariaten in verschiedenen Kommissionen sehr belastend und zeitraubend war, auch vor allem abends an den vielen Sitzungen. Er sagt „Merci“ dafür, dass es in seiner Berufsausübung nie zu „grösseren Unfällen“ kam und dass die jährlich durchgeführten Revisionen des Notariatsbüros ausnahmslos mit sehr guten Revisionsberichten ausfielen. Er dankt dafür, dass er im Alter von 65 Jahren das Büro geordnet einem Nachfolger übergeben durfte und sich dann zur tätigen Ruhe niedersetzen konnte.
Er verdankt dem Büro aber noch viel mehr: Es war hier, wo er seine spätere Ehefrau kennen lernte. Er ist überaus dankbar dafür, dass es zum Zusammentreffen „beruflicher Art“ zwischen einer frisch ausgebildeten Beatenbergerin mit dem manchmal etwas vorlauten Notariatspraktikanten kam. Er ist noch heute glücklich darüber, dass die Beatenbergerin den Stadtberner Studentenlümmel nicht gerade zum Voraus abschrieb, obwohl sie ihn wohl zuweilen ob seiner Spässe mit ihr und über sie ins Pfefferland wünschte. Er ist froh darüber, dass er das Pfefferland nie kennen lernte und dass die beiden schlussendlich den sicheren Hafen der Ehe bevorzugten: Eine Ehe auf immer, für mich mit der besten Ehefrau der Welt. Ein Glück, dass aus der Ehe zwei Kinder entsprossen, welche beide die Schul- und Ausbildungszeit mit Elan bewältigten konnten und heute als Gymnasiallehrer Schüler quälen oder als Notfallexpertin im Inselspital Patienten zurechtflicken. Freude bereiteten auch die von beiden Familien dazu gekommenen Enkelkinder Lea und Elias. Danke, ihr Lieben, ihr seid alle wunderbar!
Neben seiner beruflichen Laufbahn hatte er das Glück (für viele mag dies etwas komisch tönen), dass er Militärdienst leisten und dort bei den Übermittlungstruppen sein Hobby (Funk, Radio, Telefonie, Fernschreiber) ausleben durfte und wo er es bis zum Grad eines Majors gebracht hat. Er liebte es, mit seinem Wissen und der Loyalität gegenüber seinen Untergebenen im kalten Krieg etwas an die geistige und militärische Verteidigung des Landes beizutragen, des Landes, das ihm so viel Gutes geschenkt hat. Das war auch der Grund, weshalb er manches Jahr im Eidg. Verband der Übermittlungstruppen im Bereich „technische Weiterbildung“ sehr aktiv tätig war, was ihm dort schliesslich die schweizerische Ehrenmitgliedschaft einbrachte. Das hier und im Militär erworbene Wissen in Sachen „Führung von Menschen“ konnte er auch in seinem Beruf gut anwenden.
Der akademische Verbindung Berna, welcher er seit seinem zwanzigsten Lebensjahr angehörte (zuletzt als Ehrenmitglied), verdankt er berufliche Unterstützung, aber auch wundervolle Momente und Freundschaften; Freundschaften, welche bis heute gehalten haben! Die Studentenverbindung war es auch, die dem Studenten mit der grossen Röhre gute Sitten und anständiges Benehmen beibrachte, welche er - so hofft er wenigstens- nie ganz verloren hat.
Sein Glück ist es auch, dass er schon als Kind eine seiner Leidenschaften entdeckte: Es war das Singen - damals bei den „Berner Singbuben“ einem europaweit bekannten Knabenchor. Eine glückliche Zeit war dies mit Auftritten (auch Solovorträgen) in der ganzen Schweiz, mit Tourneen durch Europa: u.a. zweimal nach England, dann Frankreich, die Niederlande, Deutschland (ca. 12 Städte) und Österreich. Zweifelsohne ein Highlight war ein Auftritt vor rund 6‘000 Zuschauern in der Royal Albert Hall in London (in welcher der Applaus nicht als Klatschen einzelner Hände, sondern als gewaltiges Rauschen von Tausenden Händen rüberkam) sowie ein live-Fernsehauftritt beim Britischen Fernsehen BBC, noch bevor es in der Schweiz überhaupt Fernsehen gab! Ein Merci auch für ein Kuriosum aus dieser Zeit: Mit elf Jahren komponierte er zwei Lieder für Frauenchöre, welche ihm bis heute regelmässig Tantièmen einbrachten. Diese reichten jeweils nur gerade -wenn überhaupt- für 1-3 Stangen Bier pro Jahr… Die Leidenschaft des Gesangs ist geblieben: es war der Kammerchor Seftigen, welchem er sich nach Aufgabe des Gemeindeschreiberamtes dankbar hingeben konnte. In einem der besten Chöre des Kantons durfte er dort wundervolle Musik kennen lernen, erarbeiten, erleben und wiedergeben. Trotz seiner Nähe zur klassischen Musik liebte er (als Sohn des Jodelliederkomponisten Emil Herzog) auch das Volkstümliche, wodurch er in zwei Jodlerklubs Passivmitglied und in zwei weiteren Jodlerklubs Ehrenmitglied wurde (Jodlerklub Wattenwil und „Bärgblueme“ Bern).
Er ist dankbar dafür, dass seine frühe Tätigkeit bei den „Berner Singbuben“ mit ihren Tourneen in ihm seine Lust zum Entdecken von Fremdem geweckt hat. So war er in seinem Leben in fast jedem Land in Europa zu Kurzbesuchen. Exoten waren aber auch etwa der nahe Osten (Jordanien, Syrien, Libanon), die Azoren, Grönland oder Usbekistan in Zentralasien an der Seidenstrasse.
Dank erfüllt in ihm der Umstand, dass er nach erreichtem 65. Lebensjahr ein Leben mit etwas weniger Hektik führen und Zurückgestelltes nachholen durfte. So durchquerte er noch mit über 70, ja 80 Jahren auf dem Buckel zusammen an der Seite seiner lieben Ehefrau zu Fuss auf dem Jakobsweg die ganze Schweiz von der Rheinmündung am obersten Bodensee bis nach Genf. Auch die Nord-Südverbindung wurde anschliessend zu Fuss geschafft: Vom Pruntruterzipfel im nördlichsten Jura bis nach Mendrisio im Sottoceneri, wurden auf dem „Trans Swiss Trail“ gemeinsam wunderschöne Landschaften durchquert. Zu guter Letzt wurde auch noch der Schweizerteil vom Pilgerweg des Erzbischofs von Canterbury von der Grenze im nördlichsten Neuenburger-Jura bis an den grossen St. Bernhardpass im Wallis zu Fuss und zusammen gemeistert! Beglückende Momente und geteilte Freude waren dies auf den zusammengezählt ein paar Tausend Kilometer zu Fuss! Er ist auch dankbar darüber, dass bis zur Niederschrift dieser Zeilen seine Gesundheit nicht auf der Strecke geblieben ist.
Und jetzt:
Sollte sich dieser Gesundheitszustand inzwischen verändert haben, sodass ich nicht mehr mich selbst bin (z.B. Demenz, Alzheimer, Hirnschlag u.dgl.), so erinnert euch bitte an mich, so wie ich war: als Kind / als Gymeler / als Student / im Beruf / als Familienmensch / als Grossvati… Denkt daran, dass in solchem Zustand ein Mensch in seiner eigenen Welt lebt, was tröstlich sein kann.
Es wird nun stiller. Ich weiss aber, dass kein Mensch unersetzbar ist und dass seine zurückgebliebenen Lieben und Freunde ihre Wege auch ohne ihn bewältigen werden. Und ich wünsche mir, dass sie möglichst bald zur Tagesordnung übergehen können, aber vielleicht auch mal dankbar und fröhlich an mich zurückdenken. Auch dafür ein grosses „Merci“.
Peter Herzog
Stand: 04.08.2025